Monatliche Verbrauchsinfo: Warum zeitnahe Daten mehr sparen als gute Vorsätze
Das Problem der Jahresabrechnung
Stellen Sie sich vor, Sie heizen im November bewusst etwas sparsamer. Was das gebracht hat, erfahren Sie im Sommer des Folgejahres in einer Abrechnung, die das gesamte Jahr zusammenfasst. Der Zusammenhang zwischen Verhalten und Kosten ist bis dahin nicht mehr herstellbar. Umgekehrt gilt dasselbe: Nach einem Kälteeinbruch mit hohem Verbrauch fehlt die Rückmeldung ebenso.
Genau diese Lücke schließt die unterjährige Verbrauchsinformation. Wo fernablesbare Zähler und Heizkostenverteiler installiert sind, schreibt die Heizkostenverordnung eine monatliche Information der Mietenden vor.
Was darin stehen muss
Der aktuelle Verbrauch allein hilft niemandem. Eine Kilowattstundenzahl ohne Bezugsgröße sagt nichts aus. Deshalb sind drei Vergleiche vorgeschrieben:
- Vergleich mit dem Vormonat, als prozentuale Veränderung
- Vergleich mit demselben Monat des Vorjahres, ebenfalls prozentual
- Vergleich mit dem Verbrauch eines Durchschnittsnutzers, in der Regel im selben Gebäude
Warum der Vergleich wirkt
Der dritte Vergleich ist der wirksamste. Dafür gibt es einen erforschten Grund. Der Psychologe Robert Cialdini hat den Effekt der sozialen Bewährtheit in mehreren Experimenten nachgewiesen: Menschen richten ihr Verhalten stark danach aus, was andere in vergleichbarer Lage tun. Wer im Vergleich schlecht dasteht, ändert eher etwas. Wer gut abschneidet, will die Position halten.
Das ist kein Nebeneffekt, sondern die eigentliche Wirkungsvermutung hinter der Vorschrift.
Was das für Vermieter und Gemeinschaften bedeutet
Die Pflicht wird häufig als reine Belastung wahrgenommen. Aus unserer Sicht liegt darin aber auch ein praktischer Nutzen. Voraussetzung ist, dass man die Daten selbst mitliest:
- Auffälligkeiten fallen früh auf. Eine Einheit, deren Verbrauch plötzlich um ein Vielfaches steigt, deutet auf einen technischen Defekt oder ein dauerhaft gekipptes Fenster hin. Beides wird sonst erst mit der Jahresabrechnung sichtbar.
- Der Gebäudedurchschnitt ist eine Kennzahl. Er zeigt über die Jahre, ob Maßnahmen gewirkt haben, und liefert Argumente für die Eigentümerversammlung.
- Leerstände und Fehlzuordnungen werden sichtbar. Eine Einheit mit Verbrauch, die leer stehen sollte, ist ein Hinweis, dem man nachgehen sollte.
Wir werten die monatlichen Daten deshalb nicht nur weiter, sondern sehen sie regelmäßig durch. Der Aufwand ist gering. Und er verhindert Nachzahlungen, über die sich später niemand freut.
Wenn Ihr Gebäude noch nicht mit fernablesbarer Technik ausgestattet ist, gilt für die Nachrüstung eine Frist. Was dahintersteckt, lesen Sie in unserem Beitrag zur Umstellung auf fernablesbare Messgeräte.
Anlass und Fundstelle: Techem Immobilien-Ratgeber, „Messdaten nutzen: So sparen Sie Energie und Kosten“. Beitrag beim Herausgeber
Darstellung, Aufbau und Einordnung stammen von Ernst Immobilienverwaltung.
Dieser Beitrag gibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Sprechen Sie uns an, wenn Sie Ihre Situation prüfen lassen möchten.