Hydraulischer Abgleich: Pflicht ab sechs Wohnungen und die billigste Effizienzmaßnahme
Das Problem, das er löst
In vielen Mehrfamilienhäusern werden nicht alle Räume gleich warm. Heizkörper, die weit von der Wärmequelle entfernt liegen, bekommen zu wenig Wasser, näher liegende zu viel. Die übliche Reaktion ist, die Vorlauftemperatur hochzudrehen. Das behebt das Symptom und erhöht den Verbrauch für das gesamte Gebäude.
Der hydraulische Abgleich beseitigt die Ursache: Er stellt die Wassermenge je Heizkörper und die Vorlauftemperatur so ein, dass jeder Raum genau die Wärme erhält, die er braucht.
Seit Oktober 2024 in vielen Fällen Pflicht
Nach § 60c Gebäudemodernisierungsgesetz (bis Juli 2026 hieß es Gebäudeenergiegesetz) ist ein Heizungssystem mit Wasser als Wärmeträger ab dem 1. Oktober 2024 hydraulisch abzugleichen, wenn eine Heizungsanlage eingebaut oder aufgestellt und in Betrieb genommen wird. Das gilt in Gebäuden mit mindestens sechs Wohnungen oder sonstigen selbstständigen Nutzungseinheiten.
Die Bestätigung muss schriftlich festgehalten und dem Betreiber der Anlage mitgeteilt werden. Sie umfasst die Einstellungswerte, die Heizlast des Gebäudes, die eingestellte Leistung der Wärmeerzeuger, die raumweise Heizlastberechnung, die Auslegungstemperatur, die Einstellung der Regelung und den Druck im Ausdehnungsgefäß.
Diese Dokumentation ist mehr als eine Formalie: Sie ist der Nachweis gegenüber Förderstellen und im Streitfall gegenüber Mietern. Und sie ist die Grundlage dafür, dass ein späterer Fachbetrieb die Anlage nachvollziehen kann.
Ablauf in fünf Schritten
- Raumweise Heizlast ermitteln: Für jeden Raum wird anhand der baulichen Gegebenheiten die individuelle Heizlast berechnet.
- Heizflächen erfassen: Alle Heizkörper und Flächenheizungen werden aufgenommen und ihre Wärmeleistung bestimmt.
- Einstellwerte berechnen: Unter Berücksichtigung der hydraulischen Verhältnisse werden die Sollwerte für Thermostatventile und Regelventile ermittelt.
- Ventile einstellen: Je nach Zustand werden Ventile nachjustiert, erneuert oder Strangregulierventile ergänzt.
- Überprüfen und feinjustieren: Nach dem Einstellen wird das System noch einmal kontrolliert.
Beauftragen können Sie Fachbetriebe des Heizungsbaus oder Ingenieurbüros.
Warum wir ihn auch ohne Pflicht empfehlen
Der hydraulische Abgleich ist gemessen an seiner Wirkung eine der günstigsten Maßnahmen überhaupt. Er ist deutlich günstiger als jede Dämmung und kommt ohne Eingriff in die Bausubstanz aus. Er wirkt sofort und in jeder Heizperiode.
Zwei Anlässe, bei denen er ohnehin auf die Tagesordnung gehört:
- Vor jedem Heizungstausch. Ohne raumweise Heizlastberechnung lässt sich der neue Wärmeerzeuger nicht richtig dimensionieren. Eine zu groß gewählte Wärmepumpe ist teuer in Anschaffung und Betrieb.
- Bei wiederkehrenden Beschwerden über kalte Wohnungen. Bevor über einzelne Heizkörper diskutiert wird, sollte geklärt sein, ob die Anlage als Ganzes richtig eingestellt ist.
Für Mieterhöhungen nach Modernisierung ist die Rechtslage übrigens differenziert. Dazu haben wir einen eigenen Beitrag zur Rechtsprechung des BGH.
Anlass und Fundstelle: Techem Immobilien-Ratgeber, „Mit dem hydraulischen Abgleich effizienter heizen“. Beitrag beim Herausgeber
Darstellung, Aufbau und Einordnung stammen von Ernst Immobilienverwaltung.
Dieser Beitrag gibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Sprechen Sie uns an, wenn Sie Ihre Situation prüfen lassen möchten.